Sonntag, 4. März 2007

SCHAMLOSIGKEIT

Frank Wedekinds Einakter Die Zensur: ein Vexierbild

Die Zensur ist ein Einakter von 1907, der das Aufführungsverbot der Büchse der Pandora thematisiert, Personen: ein Schriftsteller und seine Lebensgefährtin, Schauspielerin, sowie der Gegenspieler Dr. Prantl. das Stück spielte Wedekind mit seiner Frau Tilly.

im vorwort der buchausgabe von 1912 ist folgendes zitat abgedruckt:
"Wenn sich der Wedekind einbildet, daß wir ihm seines Einankters Die Zensur wegen Die büchse der Pandora freigeben, dann täuscht er sich gewaltig. "(Oberregierungsrat von Glasenapp)

Zitat aus dem Aufsatz von Hartmut Vincon.
">>DR Prantl: Wenn Sie hoffen, uns mit derartigen zweideutigen Zugeständnissen die Freigabe der Theatervorstellung absisputieren zu können, dann täuschen sie sich gewältig.>>
Unterstellt wird, der Einakter habe die biographische Funktion eines Mittels zum Zweck, nämlich die Freigabe der Stücke des Autors durchzusetzen. Auch hier wird ein Fragezeichen gesetzt. Ist damit die-naive-Intention des Autors erfaßt? Oder ist er wirklich so naiv, daß er an diese Illusion glaubt? Deutlich wird, Wedkind verweist auf außerliterarische Ereignisse, auf Zensurvorgänge, thematisiert sie aber in einem fiktionalen Kontext. Biographische und dramatische Rollen werden so eng geführt, dass ein Rückkopplungseffekt entsteht. In der Tat, die Dramatik Wedekinds erinnert an einen Maler, der einen Maler malt, der einen Maler malt usw. Damit sei zunächst einmal eine KOmponente de narzißstischen Einstellung benannt. Wedekind entwirft ein riskantes Spiel, bei dem es sich zugleich um ein risikoreiches spielangebot für ein theaterpublikum handelt, um ein Vexierspiel, dessen Spielregeln der geste eines ständigen Verweisens unterworfen sind: Verkleiden -Entkleiden, angetrieben von Schau- und Zeigelust. Damit wird auch das Publikum einer Doppelrolle ausgesetzt: schaulustiges Thetaer- und/oder voyoristisches Publikum oder beides zu sein. In der Rolle Buridans weisen überdies Buridan/Wedekind dem Publikum eine phantasmatische Rolle zu, die zu der des Autors komplementär ist. Auf dem Prüfstand ist: Wie groß ist meine Schau- und Zeigelust, wie groß mein Schamwiderstand? Gelernt habe ich, mich meiner Blöße zu bedecken und mich vor Bloßstellungen zu schützen. Buridan/Wedekind erinnert mich an meine eigene Scham, aber auch an meine Wünsche, mich zu zeigen und gesehen zu werden. Wieviele narzißtische Kränkung habe ich erlitten? Wie groß ist meine Angst, verletzt, gedemütigt, lächerlich gemacht, nicht geliebt und verlassen zu werden? und dieser Burdian/Wedekind ist so unverschämt sich zu "outen"! Was würde mir geschehen, wenn ich dies täte? Habe ich gelernt , meine Partialtriebe, Schau- und Zeigelust, durch Scham zu zügeln? Recht geschieht Burdian/Wedekind, wenn sie wegen ihres maßlosen Narzißmus von allen verlassen werden. Dies würde auch mir geschehen. Burdian ist blind, blind, blind gegenüberallem was außerhalb seines Selbst liegt. Somit fungiert die Figur Burdian als ein Katalysator, an dem gemessen werden kann, wie groß, wie klein die Affektabwehr, wie hoch, wie niedrig der Schamdruck individuell und gesellschaftlich verankert sein kann. Groß und hoch offensichtlich bei der zeitgenössischen Kritik, wovon bereits die Rede war, was ihre auffällige weitgehend uniforme Reaktion auf Wedekinds Theaterstück erklärt. Soviel zur massiven Realität von Affekten und zu ihrer massiven Abwehr! Inwieweit wir uns mit der FigurBuridan identifizieren oder sie ablehnen, darin entscheidet sich das Schicksal der dramatischen Kommunikation des Autors mit seinem Publikum als geglückt oder mißglückt. Parallel ist dazu formulierbar: Es handelt sich um einen besonders riskanten Kommunikationsakt-für den Autor, wenn Burdian als Burdian/Wedekind gelesen wird. "


1 Kommentar:

Urs Amadeus Ulbrich hat gesagt…

jo nun bin ich tatsächlich in der lage zwar ins internet zu kommen aber noch nicht fähig hier mal einfach ein eigenes kommentar zu setzten , bin zwar wieder auf den beinen aber noch ni9cht wieder ganz auf der höhe . liebe grüße aus dem krankenlager jäcki
irgenwie ist mein passwort nicht mehr das was ich dachte das es war zu lange her deswegen gibt es mich jertzt wohl zweimal hahahahahahahahahahaa ich komm euch alle holen